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Jugendtag MVC
am 24.06.2017

Konzeption einer Orchestermusik
im Blasmusikverband Nordrhein-Westfalen e.V.


Die romantische Musik ist die beherrschende Stilrichtung der Musik des 19. Jahrhunderts. Diese Musik unterscheidet sich von den vorangegangenen Stilrichtungen in der Form, dass sie

die bis dahin geltende Harmonik erweitert, 
sich der Betonung gefühlvollen Ausdrucks annimmt und
die bis dahin klassischen Formen auflöst.

 

Der Stil der Romantik schafft Raum für literarisch, musikalische Kompositionsstile und schafft musikalische Formen, wie die Programmmusik. Die mit der musikalischen Romantik einhergehende Entwicklung des Instrumentariums, und dem Einwirken der Philosophie auf diese Musik, lies einen Stil reifen, der in seiner kurzen Lebensperiode –bis ca. 1850- jedoch bis heute nachwirkt. So entstanden Sinfonien, Opern und Ouvertüren. In der Romantik bilden sich jedoch auch neue Formen heraus, die geprägt sind von außermusikalischen Handlungen (Politik, Dichtung, Philosophie).


Das Konzertwesen, wie es heute bekannt ist, entwickelt sich im 19. Jahrhundert. Die musikalische Romantik braucht das große Orchester ebenso, wie nur das Klavier und den Gesang. Die Komponisten wollen vielmehr in der Musik Gefühle, Gegensätze und außermusikalische Handlungen vertonen und inszenieren als zuvor. Die Musik eines Johann Sebastian Bach gewinnt ebenso an neuem Glanz, wie die große bühnengerechte Musik, in der die Musik Mittel zum Zweck wird.
Die Komponisten erzielen große


Gegensätzlichkeit in Tempi und Dynamik,
neue Akkordfolgen und –zusammensetzungen und
neue konzertante Klänge im Orchester.


Große Modulationsfähigkeiten weisen auf;


in der Frühromantik zum Beispiel Franz Schubert und W.C. Weber,
in der Hochromantik zum Beispiel Felix Mendelssohn-Bartholdy und Hektor Berlioz,
in der Spätromantik zum Beispiel Anton Bruckner und Richard Wagner,
in der Nachromantik zum Beispiel Gustav Mahler und Richard Strauss.


Für eine zeitlich begrenzte Konzeption der Musik im Landesverband können die Werke der
Komponisten

  • F. Mendelssohn-Bartholdy,
  • R. Wagner und
  • A. Bruckner

herangezogen werden.


Felix Mendelssohn Bartholdy
Felix Mendelssohn Bartholdy ist der Musiker der Romantik, der den Musikstil Johann Sebastian Bachs in moderner Form wieder aufleben ließ. Erst diese Werke der frühen Moderne brachten wieder originale Werke für Bläsermusik.
F. Mendelssohns Werke für Bläser sind leider – bis auf die zum Glück oft gespielte >>Ouvertüre für Harmoniemusik<< op. 24 – weitestgehend unbekannt.
Die Ouvertüre für Harmoniemusik, op. 24 beruht auf der „Doberaner Blasmusik“, die Mendelssohn Bartholdy 1824 in Bad Doberan komponierte.

  • F. Mendelssohn (>>Ouvertüre für Harmoniemusik<< op. 24)
  • A. Mendelssohn (Suite für Blas- und Schlaginstrumente B-Dur op. 62)

Nach der „Doberaner Blasmusik“ kann man sicher auch auf „das Oktett“ verweisen und auf seine „Sommernachstraum-Ouvertüre“. Eine klassizistische musikalische Grundhaltung kann man Mendelssohn Bartholdy sicherlich zuschreiben. In seiner „Schottischen Symphonie“ hat Mendelssohn Bartholdy auffällige Strukturen, die auch in Kompositionen Richard Wagners herauszuhören sind. Die Musik Mendelssohn Bartholdies beschreibt puristischer, während Wagner große heroische Welten zeichnet und erschafft.

  • F. Mendelssohn (Sommernachtstraum Ouvertüre)
  • F. Mendelssohn (Schottische Symphonie)

Mendelssohn war ein Komponist der nicht „naiv“ zu komponieren vermochte. Er musste seine Kompositionen denken und erstreben. Jedoch schaffte Mendelssohn es, seine romantische Musik grazil und luftig daher kommen zu lassen, was ihn von Wagner und Bruckner musikalisch unterscheidet. Daher bietet Mendelssohn die Möglichkeit Werke der feinen romantischen Musik zu erarbeiten.


Richard Wagner
Sicher kann man sagen, dass Richard Wagner der Komponist war und ist, der die musikalische Romantik bedeutend geprägt und weiterentwickelt hat. Er verstand den Begriff „Romantik“ in vollster Begrifflichkeit als die Fusion der literarischen, poetischen Romantik mit der musikalischen Romantik. Hierdurch entwickelte Richard Wagner nicht nur die musikalische Romantik weiter, indem er neue akkordische Bewegungen komponierte und den Ausdruck dieses Stils exponiert in seiner Dynamik erscheinen ließ, sondern er entwickelte ebenfalls die Oper weiter, indem er dramatische Inhalte als Gesamtkunst gestaltete und Handlung und Text der Musik zukommen ließ. Wagners Bühnenwerke unterscheiden sich jedoch in dem Sinne von der Oper, als dass in ihnen die Musik nicht Zweck, sondern Mittel ist. Wagners Musik, wenn man den Begriff Musik als Bezeichnung seiner Bühnenwerke alleine nehmen will, ist völlig anders als die Musik Mendelssohn-Bartholdies, wenn man sie als eindrucksvolle Inszenierung sehen will. Wagner erschafft Welten in seiner Musik, Phantasien, die sich mit der Musik verschmelzen und zu einer realen musikalischen Welt werden. Er hofiert die großen dynamischen Bewegungen und ist ein Meister der Übergänge. Ein Musiker, der es heute als Komponist für Musical und Film nicht schwer haben dürfte. Seine Art der gesamten Darstellung der Romantik ist noch heute von Bedeutung.


Anton Bruckner
Bruckner, dem man immer nachsagen wollte, eine Kopie des Komponisten Wagner zu sein, traf Wagner erst im Alter von 40 Jahren. Anton Bruckner, der zunächst den Lehrberuf ergriffen hatte (1845 – 1855) wurde unterrichtet von Lehrmeistern, die fest in der österreichischen Kirchenmusik zuhause waren. Erst durch den Kapellmeister des Linzer Theaters Otto Kitzler, sollte Anton Bruckners musische Begabung ihre Freisetzung erfahren. Otto Kilzler, der selber ein Verehrer der wagnerschen Künste war, sollte Bruckner von 1861 – 1863 in der Formenlehre und Instrumentation lehren. 1863 war es auch, als Otto Kitzler in Linz Wagners Tannhäuser aufführten. Bei der Aufführung ist Anton Bruckner 38 Jahre alt und von dem Werk Wagners zutiefst beeindruckt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Bruckner keinerlei Berührungspunkte mit Wagners Werken gehabt und die neue Musik eines Romantikers wie Wagner muss ihm sehr fremd gewesen sein.
Bruckner war in seinem Kompositionsstil ebenfalls ein Mann der Romantik, jedoch geprägt von der österreichischen Sakralmusik, erklingt seine Musik zuweilen wie in den Registern einer Orgel und blockhaft. Dabei war Bruckner deutlich beeinflusst von der „Wiener Klassik“, aber auch von Komponisten wie Wagner, Mendelssohn, Liszt, Beethoven und Schubert. In den Klängen Bruckners finden sich klare periodische Gliederungen und reine Klangfarben. Gerade sein orgelgleiches musikalisches Empfinden gibt seiner Musik etwas Monumentales, Gerades, Aufsteigendes. Dies zeigt durchaus parallelen zu dem Schreibweisen Richard Wagners.

Das „Dresdner Amen“
Die Herkunft des „Dresdner Amen“ ist nicht erschöpfend geklärt. Es handelt sich um ein mehrstimmig gesetzte Antwort des Chores, die in Messen der kath. Hofkirche in Dresden gesungen wurde.
Das „Dresdner Amen“ ist von wichtiger Bedeutung für die musikalische Epoche der Romantik. Das „Dresdner Amen“ wurde von den Komponisten der Romantik reichlich benutzt, so wurde es von Mendelssohn Bartholdy in der Reformations-Sinfonie genutzt, von Bruckner in seiner 9. Sinfonie im dritten Satz, sowie von Wagner im Tannhäuser, oder im Parsifal.

 

Schlussbetrachtung für den BVN:
Der Blasmusikverband NRW ist gut beraten, wenn er mit seinem Verbandsorchester –der LandesBläserPhilharmonie NRW- sich der Erarbeitung und Vertonung der Musik der Romantik annimmt. Der Blasmusikverband folgt eine Epoche, in der das Orchesterwesen erst reifen und sich vollendend entwickeln konnte.
Da der Blasmusikverband NRW in seinen D-Qualifikationen den Fokus auf eine klassische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen legt, ist die Romantik die Epoche, mit der ein Fortbildungsensemble gehaltvolle Weiterbildung betreiben kann. Sie ist zudem die Musik, in der sich unsere Bläser- und Blasmusik in erheblichem Maße entwickelt hat und kommt dem „musikalischen Gedanken“ nach Musik in Verbindung mit gesellschaftlichem und natürlichem Leben am Nächsten.
Die Romantik löst sich deutlich von den klassischen Formen der Musik. Die Komponisten erweiterten die akkordischen Funktionen und entwickelten somit die Harmonien in der Musik weiter. Dies sollte auch einem großen symphonischen Blasorchester dienen, seinen Klang und seine Modulationsfähigkeit zu erweitern und zu entwickeln.
Die Komponisten der Romantik bedienten sich bei der Komposition zumeist der Poesie, den Naturgewalten, oder dem gesellschaftlichen- und politischen Leben. Somit gehört wohl auch die Programmmusik zu einem Zweig der Romantik. Für die heutigen Orchster, die Programmmusik gerne und häufig in ihre Programme aufnehmen, dürfte die Romantik ein Nährboden für musikalische- und außermusikalische Entwicklung in einer Musik sein.
Die Romantik setzt voraus, dass sich Musiker und Dirigenten mit ihr beschäftigen und sich mit dieser Epoche in Hörbeispielen und Partiturstudium auseinandersetzen. Sie ist eine Musikrichtung mit ebenso extremen Phrasierungsmitteln, Dynamik und Betonung, wie der Jazz, Swing, oder auch der Egerländer. Für ein symphonisches Blasorchester jedoch erhebt sie den größeren Anspruch.
Die hier im Vorgenannten aufgeführten Komponisten sind, aus meiner Sicht, bedeutende Komponisten ihrer Zeit, die ihre Epoche und die Musik noch bis heute beeinflusst haben und beeinflussen.
Ein Wagner mit Festspielen und dramatischen Handlungen in musikalischen Bühnenwerken mit erheblicher musikalischer romantischer Musikästhetik.
Ein Mendelssohn Bartholdy hierzu im Gegensatz, mit puristischer romantischer Musik und ein Anton Bruckner mit seinen „Wagner angelehnten“, aber blocksatzähnlichen Werken, die an große Orgelwerke erinnern lassen, mit aufstrebenden Harmonien und musikalischem Ausdruck.
Die Gemeinsamkeiten und die Gegensätzlichkeit dieser Komponisten einer Epoch, können für ein symphonisches Blasorchester erhebliches musikalisches Bildungspotential bergen.

Georg Arntz, September 2014