HomeAktuellesTester für Vlies-Masken für Instrumente gesucht

Programmvorschau

Anmeldefrist verlängert bis zum:
15.10.2021

Tester für Vlies-Masken für Instrumente gesucht

Nach mehr als einem Jahr Beschränkung durch die Corona-Pandemie ist der Wunsch von Millionen Musizierenden in Deutschland groß, wieder gemeinsam zu proben und Konzerte zu geben. Ein Schlüssel dazu sind Masken für Instrumente. Zu Forschungszwecken werden nun Produkt-Tester gesucht.

Wann können wir wieder Musik machen? Nach einem Jahr Corona-­Pandemie sind Frust und Lust bei Musikerinnen und Musikern gleichermaßen groß. Fakt ist allerdings, dass der Aerosolausstoß beim Spielen eines Blasinstruments und beim Singen um ein Vielfaches höher ist als im nor­malen Alltag. Musizierende und auch singende Menschen gelten daher als Superspreader – bei nach wie vor hohen Inzidenzwerten eine besonders kritische Situation. Gleichfalls ist die Sorge, durch eine weiter anhaltende Pause einen oder gar mehrere Nachwuchsjahrgänge und ebenso “altgediente” Musiker zu verlieren, überall sehr groß.

 

Seit geraumer Zeit forscht daher der Blasmusikerverband Nordrhein-Westfalen (BVN) unter Führung des neu gegründeten Instituts für Musik & Aerosole an möglichen Lösungen, die für das gemeinsame Proben und Konzerte neue Perspektiven eröffnen. In enger Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPI) in Göttingen haben sie eine Vielzahl von Labortests mit einer Reihe von Instrumenten durchgeführt. Das Ergebnis: “Masken für die Instrumente machen das Musizieren wieder möglich und sicher”, sagt Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz. Der international anerkannte Fluidphysik-Forscher hat mit ­seinem Team im Rahmen einer Studie das Verhalten
von Aerosolen beim Musizieren intensiv untersucht. 

Der Labortest überzeugt

Bei der Instrumentalprobe eines Tiefblech­ensembles des BVN am MPI in Göttingen wurde alle Instrumente – von der Tuba bis zur Posaune – mit und ohne Maske gemessen. Dabei testeten die Wissenschaftler auch eine Reihe unterschiedlicher Materialien und Ausführungen. “Unsere Messungen an Blasinstrumenten zeigen”, so Prof. Bodenschatz, “dass handels­übliche schmelzgeblasene Kunststoffvliese – das gleiche Material, wie es in den FFP2-Masken verwendet wird – die Aerosole hervorragend aus der Luft filtern und festhalten.” Das Vlies wird einfach über den Schalltrichter des Instruments gespannt. Zum Spielen wird etwas mehr Druck benötigt als ohne Vlies. “Ganz wichtig ist die Reduktion der emittierten Partikel, die die Virionen tragen! Wir er­reichen mit den getesteten Filtermaterialien Wirkungsgrade von über 99 Prozent.”

Rudolf Müller, Leiter des BVN-Instituts für Musik & Aerosole, bestätigt: “Der Klangunterschied ist überschaubar, die meisten Normalhörenden würden im Blindtest nicht erkennen, ob wir eine Posaune mit oder ohne Maske spielen.” Das Geheimnis des Kunststoffvlieses liegt in der elektrostatischen Aufladung. Die Vliese adsorbieren die Aerosole, die teilweise deutlich kleiner als zehn Mikrometer im Durchmesser sind und als Feinstaub in der Luft schweben, hervorragend. Einzelne Virionen und Teilchen, die kleiner als ein Virion sind, besitzen keine Relevanz. 

Auch im Bereich technischer Filteranlagen in der Lüftungstechnik forscht Prof. Bodenschatz mit seinem Team am MPI in Göttingen. Unter anderem hat er dort eine App entwickelt, mit der sich der Aerosolgehalt von Raumluft zuverlässig und schnell abschätzend berechnen lässt. “Die Masken für Instrumente ermöglichen, dass die Blechbläser während der COVID-19-Pandemie wieder sicher proben und spielen können”, sagt Bodenschatz. Ebenso wichtig aber sind ihm die Erkenntnisse aus der Studie, die sich auch auf andere Situationen des Alltags, in denen Menschen zusammenkommen, beispielsweise bei Konzertveranstaltungen, Festen und ebenso in Schulen und Hochschulen oder im öffentlichen Verkehr, anwenden lassen. 


Pilotversuche in der Praxis

Auch für Veranstaltungsräume sind daher in Marsberg entsprechende Pilotversuche geplant. Grundlage der Forschungstätigkeit des BVN in Marsberg ist eine Billigung des NRW-Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales nach Paragraph 8 der CoronaSchVO, die Tätigkeiten im Forschungsumfeld von Corona-Maßnahmen für zulässig hält. Auch das Ordnungsamt in Marsberg hat die geplanten Pilotversuche der Forschungsorchester in den Marsberger Schützenhallen genehmigt. Auf dieser Basis soll ein Modell ent­stehen, das in der Folge auf andere Hallen und Orchester nach einem validen Berechnungsschlüssel angewandt werden kann. “Auf dem langen Weg dorthin suchen wir zahlreiche Produkt-Tester, die die Masken auf den Instrumenten in der Praxis ausprobieren”, ruft Rudolf Müller zum Mitmachen auf. 

Das Ziel ist ein gemeinsamer 100 000-Stunden-Test, der weitere Aufschlüsse im Rahmen der Forschung gibt. Für die teilnehmenden Masken-Tester hat das BVN-Institut ein einfaches Verfahren aufgesetzt. Der jeweilige Musikerwart meldet über ein Formular auf der Website www.blasmusik-nrw.de die Art und Menge der Instrumente und bekommt entsprechende Instrumenten­masken mit einer Forschungsanleitung zu Selbstkosten zugestellt. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Produkt-Testreihe – je mehr Teilnehmer mitmachen, desto schneller erreicht man die Teststunden – und die Werte aus den Raumtests ermöglichen mittelfristig wieder Konzerte, sind sich die BVN-Verantwortlichen um Rudolf Müller sicher. “Wer im Übrigen auf das Durchimpfen der Bevölkerung wartet, wird damit nicht weiterkommen”, erklärt Müller abschließend. “Trotz Impfung werden wir ohne Masken und Raumluftkonzept weiterhin möglicherweise mit Viren belastete Aerosole bei Veranstaltungen ausstoßen, die zur Verbreitung von Infektionen führen können.” Das wollen die Verantwortlichen vom Blasmusikverband Nordrhein-West­falen für die Zukunft ausschließen.

 

Quelle: https://www.brawoo.de

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.